Landesmeisterschaften Cyclocross in Zeven

Ein Bericht von Teamfahrer Volker Lutz:

Worüber freuen sich viele Erwachsene als Geburtstagsgeschenk – genau: „ein Gutschein für ein Wellnesswochenende“ ist oft das perfekte Geschenk. Nun gut – Wellness kann man unterschiedlich interpretieren – für die völlig Verrückten (wie mich) kann das durchaus auch bedeuten, dass man ein Wochenende bei 0-5°C im Schlamm mit anderen Verrückten verbringt. Und so fiel die Wahl meines Wellness-Wochenend-Geschenkgutscheins auf die Kombination aus Cyclocross Worldcup und Landesmeisterschaften in Zeven.

Zusammen mit Daniel Wienbreier und 6 weiteren Cross-Fetischisten ging es also am vergangenen Samstag auf in Richtung tiefste niedersächsische Provinz. Nach verregneter Anfahrt erreichten wir Zeven gegen Mittag bei herrlichsten Sonnenschein. Da wir die vielen Veranstalter-News der vergangene Tage aber aufmerksam verfolgt hatten, bewaffneten wir uns sofort mit den optimalen Utensilien – Gummistiefel, Regenhose, etc… und begaben uns in Richtung Festival Gelände. Hier heizte der Sprecher den erfreulich vielen Zuschauern zum Endes des gerade laufenden U23 Rennens auch schon ordentlich ein. Ein kurzer Blick auf das Tagesprogramm zeigte, dass als nächstes das Training der Herren anstand – ideal um sich die entscheidenden Abschnitte der Strecke genauer anzusehen. Also machten wir uns durch den teilweise knöcheltiefen Schlamm auf zur einzigen Erhebung Zevens, dem Grashügel der Strecke, der als zentraler Bestandteil dieser von allen möglichen Richtungen zu erklimmen war. Und hier zeigte sich schon sehr schnell wie heftig die Strecke nach den tagelangen Regenfällen war – tiefster Schlamm, wohin man auch nur blickte und verzweifelte Elite-Fahrer auf der Suche nach der Ideallinie, die es einfach nirgendwo mehr gab. Nach einer Stunde in der man sehr viel über den Crosssport lernen konnte – eben wie man es machen kann und was man besser nicht machen sollte, ging es erstmal zur obligatorischen Stärkung – Fritten und Glühwein – lecker.

Gut gestärkt und aufgewärmt waren wir gespannt, wie sich die Mädels auf der extrem schweren Strecke so anstellen würden. Und was unsere Augen so zu sehen bekamen war wirklich nicht von schlechten Eltern – sportlich gesehen natürlich! J Die Mädels an der Spitze lieferten sich ab der ersten Runde ein sehr spannendes  Rennen und zeigten den Zuschauern, wie elegant man sich durch den Schlamm wühlen kann. Nach diesem, für den Zuschauer fast zu kurzen Rennen, folgte das Highlight des ersten Tages in Zeven – das Rennen der Herren. Um dieses Event optimal zu erleben, hatten wir uns einen Top Platz auf dem Grashügel erkämpft, von dem man fast die gesamte Runde einsehen konnte. Und das Rennen ließ an Spannung und Dramatik wirklich nichts vermissen – Cyclocrosssport auf höchstem Niveau und vor allem hautnah – sozusagen Wellness pur…!

Nach diesem wirklich geilen Rennen folgte für Daniel und mich noch ein kleines Warmup für den kommenden Tag und da es schon arg dämmerte und wir für den nächsten Tag sowieso 50% Laufanteil im Rennen erwarteten, entschieden wir uns für eine 30-minütige Laufeinheit. In gemütlicher Runde, begleitet vom ein- oder anderen dummen Spruch und ein wenig Fachsimpelei über die Weltcup-Rennen ließen wir den Tag beim Italiener dann gemütlich ausklingen.

Den Sonntag starteten wir dann wirklich Wellness-mäßig mit einem entspannten Frühstück und der Planung des Tages. Erstens Startunterlagen abholen – Zweitens Betreuung unseres Hobbyfahrers Robert – Drittens Rennvorbereitung und Streckenbesichtigung, dazwischen ganz viel Wellness oder auf neudeutsch „chillen“. Nachdem die Punkte 1 und 2 problemlos liefen, waren wir dann aber doch ein wenig zu Wellness-lastig unterwegs und kamen ,fertig in die Rennbekleidung gepellt, doch ein wenig zu spät zur Streckenbesichtigung. Nach zwei bösen Ermahnungen, dass wir uns während eines laufenden Rennens auf der Strecke befänden, entschieden wir uns doch lieber dazu das Warmup auf die Straße zu verlegen – auch wenn ich mir den ein oder anderen Streckenabschnitt gerne nochmal genauer angesehen hätte…! Nun ja, die Runde hatte man vom Vortag ja sowieso verinnerlicht und die heftigste Passage war leider sowieso vom Veranstalter herausgenommen worden.

Und schon war die Stunde der Wahrheit, auf die ich schon seit Wochen hingefiebert hatte, gekommen – die Startaufstellung für die LVM. Irgendwie hatte ich es mir viel voller vorgestellt, aber mehr als 30 Herren und 30 Masters 2 hatten sich leider nicht in den norddeutschen Matsch verirrt. Und wirklich viele Zuschauer konnte ich auch nicht ausmachen – Weltcupstrecke leider ohne den Weltcupflair des Vortages sozusagen. Egal – ich war heiß auf die Schlammschlacht! Los ging´s und ich erwischte zum Glück einen guten Start und kam als 5. In der erste Kurve. Einige Kurven und völlig zerfahrene Matschabschnitte später, hatte ich mich bereits bis auf Rang 2 „vorgecatched“.  Am Hinterrad von Vladi Riha kämpften wir uns Stück für Stück an die 2 Minuten vor uns gestarteten Herren heran, bis wir diese schon Mitte der 2. Runde erreicht hatten. Und so kam es, wie es kommen musste, durch einen zu überholenden Fahrer, der vor mir vom Rad musste, verlor ich plötzlich das Hinterrad von Vladi und musste leider zusehen, wie sich dieses nun Stückchen für Stückchen entfernte, aber so sehr ich auch kämpfte, ich kam einfach nicht mehr heran. Somit ging der Kampf gegen den Matsch alleine weiter, bis ich in Runde 4 Daniel, der im Herrenrennen gestartet war, vor mir ausmachte, was nochmal richtig Motivation gab – so ganz langsam war ich also nicht unterwegs. Eine halbe Runde später hatte ich Daniel dann gestellt und sauste in einer technischen Kurve an ihm vorbei. Nochmal frisch motiviert ging es in die letzte Runde und am Ende sogar noch an Marvin Augustyniak vorbei, dem späteren Landesmeister der Herren. Völlig ausgepumpt, aber glücklich erreichte ich also als Gesamtzweiter und neuer Cross-Landesmeister das Ziel.

Nach der obligatorischen Reinigung der Rennmaschine freute ich mich auf die extra eingepackte, wärmende After-Race-Bekleidung, aber Pustekuchen, diese lag sicher verpackt im Auto und das war leider zu – mit dem Schlüssel im Innenraum…! Leicht fröstelnd und dreckig nahm ich also die Doppelehrung entgegen um direkt danach zusammen mit Daniel zurück zum Hotel zu radeln – denn dort erwartete uns die wohlverdiente Wellnessdusche…! J

Nachdem das Auto geknackt war und wir damit auch wieder in den Besitz meines Fahrzeugschlüssels kamen, hieß es zusammenpacken und ab nach Hause – Ende des „Wellness-Wochenendes“!

… Und es hat irre viel Spaß gemacht Jungs – ich freu mich schon jetzt auf 2018!

Die Ergebnisse findet ihr hier:

https://www.rad-net.de/modules.php?name=Ausschreibung&ID_Veranstaltung=30098&mode=erg_detail&groupid=30098.6.156714.2

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