Fischteichhölle 3.0

ein Bericht von Teamfahrer Volker Lutz:

Sonntagabend 18:45 Uhr – ich stehe seit 30 Minuten im fast dunklen Garten und versuche mein Crossbike von den letzten Sand- Lehm- und Modderresten zu befreien… Warum tut man sich sowas eigentlich immer wieder an, schießt es mir beim Blick ins warme Wohnzimmer durch den Kopf…?
Doch einige Stunden vorher stellte sich diese Frage nicht, als ich bei recht passablem Herbstwetter gegen 11:00 Uhr alle nötigen Sachen für Crossrennen Nr. 3 der Saison ins Auto packte. Da die Sonne sogar immer mal wieder durch die Wolken lukte, entschied ich mich anstatt eines dicken Thermotrikots lieber für ein zusätzliches Kurzarmtrikot – vielleicht sollte der Wetterbericht mit seiner Vorhersage für den Nachmittag ja doch unrecht haben…! 60 Minuten später, kurz vor Peine auf der Autobahn, begann ich meine Entscheidung für das Kurzarmtrikot anzuzweifeln. Die ersten dicken Regentropfen prasselten auf die Frontscheibe nieder und irgendwie sah es gar nicht mehr so schön aus, wie noch vor einer Stunde! 15 Minuten später – der Regen prasselte immer stärker und die nahen Windräder rotierten um die Wette, Autotür auf und… nun ja, 11°C mit Regen und Wind sind einfach unangenehm…! Also schnell die komplette Regenbekleidung die ich glücklicherweise doch dabei hatte übergezogen um nicht schon jetzt auszukühlen, das blöde Kurzarmtrikot ganz tief in den Rucksack gestopft und ab zur Anmeldung. Spätestens jetzt war klar – das wird heute wieder richtig nett! Ein kurzer Check der Räder der Fahrer, die ihr Rennen bereits hinter sich hatten bestätigte meine Befürchtungen – unter der dicken Schlammkruste konnte man die Markennamen kaum noch erahnen!
Nach erfolgreicher Anmeldung stellte sich nun die Frage: Irgendwo im Wald warmfahren, da wo es schön trocken und windstill ist, oder gleich eine Geschmacksprobe des örtlichen Schlamms nehmen um sich auf das bevorstehende Rennen einzustimmen!? Wir entschieden uns für die Geschmacksprobe – ein super Wahl, denn so knarzten nach wenigen 100m die Bremsen und Ketten unserer Bikes um die Wette und um das Ganze so richtig zu genießen, nahm ich in der Kieskuhle des Grauens gleich ein schönes Moorbad…!

Zumindest wurde uns bei der Wühlerei durch den Schlamm richtig schön warm – also die verpekte Wärmeschicht runter und auf zum Start. Hier hieß es nun warten auf das Startsignal – nur, wo war der Kollege hin, der noch vor 3 Minuten angekündigt hatte, das Signal zu geben…? Ahh – da hinten fuchtelte einer mit den Armen, also los. Ich preschte voran, was das Zeug hielt, denn der erste sehr schmale Trail sollte sich von vorne am besten fahren lassen. Und so bog ich in denselben auch als erster ein und – oh Wunder – kam ich auch als erster wieder heraus! Ein kurzer Blick nach hinten zeigte ein kleines Loch zu den Verfolgern, also Kette rechts und Vollgas. Mein Vorsprung wuchs und dank der Geschmacksprobe beim Warmfahren, wusste ich in der Kieskuhlensektion nun ja auch, wo man sein Vorderrad besser nicht platzieren sollte. Diesmal gelang mir die Linienwahl besser, scheinbar so viel besser, dass mein Vorsprung weiter anwuchs. Mit knirschender Kette und böse schleifender Bremse ging auf die wirklich schönen und mit Flow zu fahrenden Trails des Waldabschnittes… Plötzlich hörte das Schleifen der Vorderradbremse abrupt auf – endlich dachte ich noch, bis ich in der kommenden Kurve beim Anbremsen feststellen musste, dass nicht nur das Schleifgeräusch weg war, sondern scheinbar auch die ganze Funktionalität der Bremse – oh Mist, hoffentlich geht das gut! Die Flowtrails endeten abrupt und die Runde spuckte mich wieder am Fischteich aus, zack rechts runter – eine steile Rampe – und sofort wurde mir bewusst – nur mit der Hinterradbremse kommst Du da unten nicht mehr zu stehen! Also nach links den Notausgang zwischen die Bäume – puh Glück gehabt, also schiebend weiter… ! Irgendwie entschied sich meine Bremse kurz darauf genauso plötzlich wieder zu funktionieren so abrupt, wie sich der Ausfall vorher angedeutet hatte – gut so, denn einige gemeine Passagen entlang des Sees sollte ja noch folgen.
Von nun an lief es immer besser, an die Geräuschkulisse des Antriebs hatte ich mich gewöhnt, der Vorsprung auf meine Verfolger war trotz der Misere mit der Bremse weiter angewachsen und die dicke Schlammkruste am Körper schien irgendwie zu wärmen – oder war es doch die Anstrengung!? Runde 2 lief dann einfach, auch wenn die Abschnitte durch die Kieskuhle immer ekeliger wurden. Mit viel Druck angefeuert von zahlreichen Zuschauern ging es nun dem Ziel und dem ersten Cross-Saisonsieg entgegen – da schmeckte das im Ziel prompt angereichte alkoholfreie Bierchen gleich noch viel besser!

… ja und warum tut man sich sowas einfach immer wieder an – ganz einfach, weil´s Spaß macht! Insbesondere dann, wenn die Strecke irgendwie cool ist und die Veranstaltung drum herum so toll und familiär ist wie in Peine. Und glücklicherweise speichert das menschliche Gehirn ja bekanntlich positive Ereignisse viel besser ab, also negative… ich komme also wieder!

Hier findet ihr die Ergebnisse: http://my2.raceresult.com/79235/results?lang=de#8_A4C1AF